
SPAR erweitert seine österreichische Flotte um sechs vollelektrische Mercedes-Benz eActros 600. Die Fahrzeuge kommen im schweren Verteilerverkehr zum Einsatz und übernehmen dabei auch Kühltransporte und Fahrten mit Anhänger. Bei der offiziellen Übergabe am Logistikstandort Marchtrenk zogen SPAR und Daimler Truck Austria eine erste Bilanz: Zwei der Fahrzeuge haben seit Mai 2026 gemeinsam bereits rund 80.000 Kilometer im täglichen Lieferbetrieb zurückgelegt.
Bewährungsprobe zwischen Kühltransport und Anhängerbetrieb
Die Lebensmittelversorgung stellt hohe Anforderungen an den Fuhrpark. Frische, gekühlte und ungekühlte Waren müssen innerhalb enger Lieferfenster in den Märkten eintreffen. Für die elektrischen Lkw gelten dabei dieselben betrieblichen Anforderungen wie für ihre dieselbetriebenen Pendants. Zwei der sechs eActros 600 sind in Marchtrenk im Einsatz, vier weitere Fahrzeuge sind am Standort St. Pölten stationiert.
Welche Aufgaben die Fahrzeuge in Oberösterreich übernehmen, verdeutlichen die Zahlen des Logistikstandorts Marchtrenk: Mit 64 eigenen Lkw und 142 Fahrerinnen und Fahrern werden täglich rund 180 Touren abgewickelt. Von hier aus erfolgt die Belieferung von 300 SPAR-, EUROSPAR- und INTERSPAR-Standorten in der Region. Die bisherigen Einsätze zeigen nach Angaben von SPAR, dass sich auch temperaturgeführte Transporte und Fahrten mit Anhänger elektrisch bewältigen lassen.
Die zuverlässige Nahversorgung steht für Paul Bacher, Geschäftsführer SPAR Oberösterreich, immer an erster Stelle. Die Praxistests hätten gezeigt, dass die Elektro-Lkw die Aufgaben konventioneller Fahrzeuge übernehmen können. Positiv falle auch die Rückmeldung aus dem Fahrpersonal aus, das insbesondere das Fahrverhalten und den Komfort schätze.
621 kWh Batteriekapazität für anspruchsvolle Touren
Der Mercedes-Benz eActros 600 verfügt über drei Batteriepakete mit einer installierten Gesamtkapazität von rund 621 kWh. Die angegebene Reichweite beträgt bis zu 500 Kilometer ohne Zwischenladen. Der elektrische Antrieb liefert eine Dauerleistung von 400 kW und erreicht eine Spitzenleistung von 600 kW. Die tatsächlich erzielbare Reichweite hängt vom jeweiligen Einsatz ab.
Damit ist das Fahrzeug neben dem Fernverkehr auch für die regionale Warenverteilung interessant. In der Lebensmittellogistik müssen Reichweite, Nutzlast, Kühlung und Tourenplanung aufeinander abgestimmt sein. Hinzu kommen feste Anlieferzeiten und unterschiedliche Anforderungen der belieferten Märkte. Der geräuscharme elektrische Antrieb und der hohe Fahrkomfort sind weitere Eigenschaften, die im täglichen Verteilerverkehr zum Tragen kommen.
Ronald Moser, Key Account Manager bei Daimler Truck Austria, sieht im Einsatz bei SPAR ein Beispiel für die Möglichkeiten batterieelektrischer Nutzfahrzeuge. Auch anspruchsvolle Aufgaben wie der temperaturgeführte Verteilerverkehr ließen sich mit modernen Elektro-Lkw zuverlässig abbilden. Während der Fahrt entstehen dabei keine direkten CO₂-Emissionen aus dem Fahrzeugantrieb.

Ladeinfrastruktur und Betriebsabläufe müssen zusammenpassen
Mit der Anschaffung der Fahrzeuge allein ist die Umstellung einer Flotte jedoch nicht abgeschlossen. Entscheidend ist, wie sich Ladezeiten, verfügbare Netzleistung und tägliche Transportaufgaben miteinander vereinbaren lassen. SPAR integriert die Fahrzeuge deshalb schrittweise in den Regelbetrieb und sammelt Erfahrungen zu Reichweiten, Ladeprozessen und Energiebedarf unter realen Einsatzbedingungen.
Zum Elektrifizierungsprojekt gehört auch der Aufbau der erforderlichen Ladeinfrastruktur. Dafür arbeitet der Lebensmittelhändler mit Energieversorgern und Netzbetreibern zusammen. Die Erkenntnisse aus dem laufenden Betrieb sollen helfen, Fahrzeuge und Infrastruktur auf die Anforderungen der Lieferlogistik abzustimmen.
Andreas Prummer, Vertriebsleiter bei Daimler Truck Austria, betont die Bedeutung dieses Zusammenspiels. Neben einem funktionierenden Ladekonzept brauche es passende Betriebsabläufe und eine umfassende Begleitung der Kunden. Maßgeblich sei letztlich, dass die Fahrzeuge im täglichen Einsatz zuverlässig und wirtschaftlich funktionieren.
Schrittweise Elektrifizierung der Nahversorgung
Die sechs eActros 600 sind Teil der schrittweisen Elektrifizierung der SPAR-Lieferlogistik. Das umfassendere Projekt schließt sowohl die Fahrzeugbeschaffung als auch die Ladeinfrastruktur ein und wird im Rahmen des ENIN-Förderprogramms durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt.
Die bislang rund 80.000 gemeinsam gefahrenen Kilometer der beiden Marchtrenker Fahrzeuge liefern eine erste praktische Grundlage für die weitere Entwicklung. Nach Einschätzung der beteiligten Unternehmen bewähren sich die Elektro-Lkw auch bei Kühltransporten und im Anhängerbetrieb. Für die weitere Elektrifizierung wird entscheidend sein, diese Erfahrungen auf zusätzliche Touren zu übertragen und dabei Energieversorgung, Fahrzeugeinsatz und Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten.
