
Präzision statt Bleifuß, Fachwissen statt Stammtischweisheiten und eine ziemlich beeindruckende Vorstellung der Finnen: Bei der 33. UICR Professional Driver World Championship in Eppelheim wurde ermittelt, wer Lkw, Bus und Sattelzug wirklich beherrscht. Und eines können wir vorwegnehmen: Finnland sollte man offenbar niemals zu einem Fahrwettbewerb herausfordern.
Vom 9. bis 12. September 2026 wurde Eppelheim bei Heidelberg zum Zentrum der internationalen Berufskraftfahrer-Elite. Bei der 33. UICR Professional Driver World Championship (PDWC) trafen Fahrer und Nationalteams aus verschiedenen Ländern aufeinander, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Und nein: Dabei ging es nicht darum, wer am schnellsten mit dem Sattelzug um die Pylonen driftet.
Hier reicht „Ich fahr seit 20 Jahren Lkw“ nicht
Die Aufgaben der Weltmeisterschaft bilden ziemlich gut ab, was einen wirklich guten Berufskraftfahrer ausmacht. Neben theoretischem Fachwissen mussten die Teilnehmer bei der Fahrzeugkontrolle Mängel erkennen, Präzisionsaufgaben bewältigen und ihre Fahrzeuge sicher durch verschiedene praktische Prüfungen bewegen.
Dazu kam ECO Driving – also die Kunst, ein Nutzfahrzeug sicher, wirtschaftlich und möglichst effizient zu bewegen. Bewertet wurden damit nicht nur Fahrzeugbeherrschung, sondern auch Urteilsvermögen, Sicherheit und Effizienz. Kurz gesagt: Dinge, bei denen der Satz „Das geht sich schon aus“ vermutlich keine anerkannte Fahrtechnik darstellt. Gefahren wurde in mehreren Kategorien: Solo-Lkw, Bus, Sattelzug, Lkw mit Anhänger, Lieferwagen sowie einer eigenen Nachwuchskategorie für Fahrer unter 21 Jahren. Hinzu kam die separate ECO-Driving-Wertung.
Finnland macht Finnland-Sachen
Wer die Ergebnislisten durchgeht, dem fällt relativ schnell etwas auf: sehr, sehr viel Finnland. Im Solo-Lkw holte Harry Winqvist den Weltmeistertitel vor seinem Landsmann Petri Haikara. Beim Sattelzug gab es gleich den nächsten finnischen Doppelsieg: Mikko Jokinen gewann vor Tero Sikkara. Und beim Lkw mit Anhänger stand mit Jukka Haanpää ebenfalls ein Finne ganz oben auf dem Podium.
Bei den Bussen setzte sich Jaakko Punkero aus Finnland vor den beiden Deutschen Ralf Rüscher und Andreas Schiffer durch. Die deutsche Mannschaft konnte sich dafür die Teamwertung der Bus-Kategorie sichern. Und Punkero war noch lange nicht fertig.
1.889 Punkte: Der beste Fahrer der gesamten WM
Der finnische Busfahrer erzielte über alle Fahrzeugklassen hinweg die höchste Einzelpunktzahl der gesamten Weltmeisterschaft.
1.889 Punkte in 11:31 Minuten.
Damit gewann Jaakko Punkero zusätzlich zu seinem Weltmeistertitel in der Bus-Kategorie die UICR Trophy für die beste Gesamtleistung eines einzelnen Fahrers bei der PDWC 2026. Offenbar genügt es in Finnland also nicht, Weltmeister zu werden. Man muss danach auch noch die Gesamtwertung mitnehmen.
Deutschland holt den Nachwuchstitel
Ganz ohne deutsche Erfolgsmeldung ging die WM allerdings keineswegs über die Bühne. In der Nachwuchskategorie für Fahrer unter 21 Jahren holte Simon Hoffleit den Weltmeistertitel vor dem Finnen Jami Nordström. In dieser Kategorie waren 2026 allerdings lediglich zwei Teilnehmer am Start, weshalb entsprechend zwei Einzelplatzierungen vergeben wurden.
Bei den Lieferwagen wiederum ging der Sieg in die Niederlande: Appie Bruggink gewann vor seinem Landsmann Harrie Wielens und Matthias Hamacher aus Deutschland. Auch beim ECO Driving schaffte es ein Deutscher aufs Podium. Hier gewann der Ire Peter O'Neill vor Piotr Mierzejewski aus Polen und Reinhard Klumpp aus Deutschland. Gerade diese Disziplin gewinnt im modernen Straßengüterverkehr zunehmend an Bedeutung, weil eine effiziente Fahrweise Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Energieverbrauch miteinander verbindet.
Und dann gibt es noch den Nation Cup …
Spätestens hier wird es für alle Nicht-Finnen etwas unangenehm. Für den Nation Cup mussten die Länder in den vier Hauptkategorien Solo-Lkw, Bus, Sattelzug und Lkw mit Anhänger jeweils ein komplettes Dreierteam stellen. Damit flossen die Leistungen von insgesamt zwölf Fahrern pro Nation in die Wertung ein. Es ging also nicht um einen einzelnen Ausnahmekönner, sondern um die Qualität und Konstanz des gesamten Teams.
Das Ergebnis:
Und damit wird die finnische Leistung endgültig bemerkenswert. Denn Finnland gewann den Nation Cup nicht zum ersten und auch nicht zum zweiten Mal in Folge.
Es war der dritte Sieg hintereinander.
Nach Belgien 2018 und Kroatien 2022 triumphierte das finnische Team nun auch 2026 in Deutschland. Da 2020 und 2024 keine Professional Driver World Championship stattfand, hat Finnland damit tatsächlich jede ausgetragene WM seit 2018 gewonnen. Vielleicht sollte man langsam untersuchen, was in finnischen Fahrschulen eigentlich anders läuft.
Weltmeisterschaft mit ernstem Hintergrund
Bei allem sportlichen Ehrgeiz hat die Professional Driver World Championship einen durchaus ernsthaften Zweck. Die Veranstaltung zeigt, wie viel Kompetenz tatsächlich hinter dem Beruf des Kraftfahrers steckt. Fahrzeugtechnik verstehen, Gefahren frühzeitig erkennen, konzentriert und effizient fahren, Verantwortung für Menschen und Ladung übernehmen und sich gleichzeitig an immer neue Technologien und Vorschriften anpassen – professionelles Fahren besteht eben aus deutlich mehr als Lenken, Schalten und Parkplatzsuche. Genau deshalb stellt die UICR Themen wie Verkehrssicherheit, Fahrerqualifikation, lebenslanges Lernen, verantwortungsvolles Verhalten im Straßenverkehr, ECO Driving und die gesellschaftliche Anerkennung des Berufs in den Mittelpunkt.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft einer solchen Weltmeisterschaft:
Wer einen 40-Tonner jeden Tag sicher durch Europas Straßen bewegt, übt keinen „einfachen Fahrjob“ aus.
Fortsetzung folgt 2028
Nach Eppelheim ist vor der nächsten Weltmeisterschaft. Die Erfahrungen der diesjährigen Veranstaltung sollen bereits in die Vorbereitungen für die 34. UICR Professional Driver World Championship 2028 einfließen. Bis dahin bleibt Finnland also mindestens zwei Jahre lang das Maß der Dinge.
Und an alle anderen Nationen bleibt eigentlich nur eine Botschaft:
Üben. Viel üben.
Denn die Finnen kommen 2028 ziemlich sicher wieder.
