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Kögel und Humbaur zeigen wie Anhänger leichter werden und weiter kommen

Die Transportbranche befindet sich in einem Wandel, der weit über neue Antriebstechnologien hinausgeht. Wer heute über batterieelektrische Nutzfahrzeuge spricht, spricht zwangsläufig auch über Gewicht, Nutzlast und Effizienz. Denn der Umstieg auf emissionsfreie Transportlösungen stellt Hersteller, Flottenbetreiber und Aufbauer gleichermaßen vor eine zentrale Frage: Wie lässt sich zusätzliche Batteriemasse kompensieren, ohne wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen?

Beim gemeinsamen Branchenevent in Burtenbach wurde deutlich, wie unterschiedlich die Antworten darauf ausfallen können. Während Kögel mit einem speziell auf elektrische Zugmaschinen zugeschnittenen Sattelauflieger die Achslastproblematik adressiert, setzt Humbaur auf konsequenten Leichtbau im Verteilerverkehr. Zwei unterschiedliche Ansätze, die jedoch auf dieselbe Herausforderung reagieren: mehr Effizienz unter neuen Rahmenbedingungen.

Elektrifizierung verändert die Spielregeln

Elektrische Nutzfahrzeuge gelten längst nicht mehr als Zukunftsmusik. Die Zahl batterieelektrischer Zugmaschinen wächst spürbar, nicht zuletzt durch strengere CO₂-Vorgaben der EU, ein breiteres Fahrzeugangebot und sinkende Betriebskosten. Gleichzeitig entstehen entlang der Hauptverkehrsachsen immer mehr Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge.

Doch mit dem Wechsel vom Diesel- zum Elektroantrieb verschieben sich technische Prioritäten. Das zusätzliche Batteriegewicht bringt neue Herausforderungen mit sich. Zwar erlaubt die EU-Richtlinie 96/53/EG für elektrische Fahrzeugkombinationen ein höheres Gesamtzuggewicht, doch entscheidend bleibt die Verteilung der Last. Gerade die Antriebsachse der Zugmaschine entwickelt sich zum limitierenden Faktor.

In Deutschland dürfen elektrische Sattelzüge inzwischen bis zu 42 Tonnen Gesamtgewicht erreichen, während konventionelle Kombinationen bei 40 Tonnen bleiben. Auf den ersten Blick klingt das nach einem Vorteil. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Die zulässige Achslast der Antriebsachse bleibt unverändert. Überschreitungen drohen schnell, wenn das Batteriegewicht überwiegend auf die Zugmaschine wirkt.

Kögel erfindet den Trailer für E-Lkw neu

Genau an diesem Punkt setzt Kögel mit dem e-optimierten Light Plus an. Der Trailerhersteller aus Burtenbach verfolgt dabei keinen revolutionären, sondern einen ausgesprochen praxisnahen Ansatz. Statt ausschließlich auf Gewichtsreduzierung zu setzen, wurde die Fahrzeuggeometrie gezielt verändert. Der verkürzte Abstand zwischen Königszapfen und erster Trailerachse soll den Druck auf die Antriebsachse der elektrischen Zugmaschine um bis zu zwei Tonnen reduzieren. Das Ziel: eine gesetzeskonforme Achslastverteilung trotz schwerer Batteriesysteme.

Bemerkenswert ist dabei, dass Kögel die Alltagstauglichkeit nicht aus den Augen verliert. Nachlaufverhalten und Reifenverschleiß sollen trotz der geänderten Geometrie auf dem Niveau klassischer Planenauflieger bleiben. Damit richtet sich das Konzept klar an Flottenbetreiber, die keine Versuchsträger suchen, sondern Lösungen, die sich unmittelbar in bestehende Transportprozesse integrieren lassen. Gerade im Fernverkehr dürfte dieser Ansatz an Bedeutung gewinnen. Denn je stärker der Marktanteil elektrischer Zugmaschinen wächst, desto relevanter wird die Frage, wie sich Nutzlastverluste vermeiden lassen, ohne regulatorische Grenzen zu überschreiten.

Humbaur setzt auf jedes eingesparte Kilogramm

Während Kögel die Achslastverteilung optimiert, verfolgt Humbaur im Verteilerverkehr eine andere Philosophie: Jedes Kilogramm zählt. Mit der neuen FlexBox Dry präsentiert der Aufbauhersteller einen Leichtbauansatz, der zunächst unspektakulär wirkt, im Detail jedoch erhebliche Auswirkungen haben kann. Gemeinsam mit dem Verbundwerkstoffspezialisten Lamilux wurde der Fahrzeugboden grundlegend überarbeitet. Kernstück ist ein lastoptimierter Wabenkernboden, der den bisherigen Siebdruckboden ersetzt. Das Ergebnis: Rund 50 Kilogramm Gewichtseinsparung in Standardgröße. Für Fahrzeuge im 3,5-Tonnen-Segment ist das eine relevante Größenordnung, denn dort entscheidet jedes Kilogramm direkt über die verfügbare Nutzlast.

Die technische Lösung wirkt dabei durchdacht. Laut Humbaur wurde der neue Boden in umfangreichen Langzeittests mit rund 15.000 Be- und Entladezyklen geprüft. Dabei zeigte sich eine höhere Druck- und Abriebfestigkeit gegenüber der bisherigen Lösung. Hinzu kommt ein praxisrelevanter Vorteil: Die Konstruktion erlaubt eine einfache Reinigung per Dampfreiniger, ohne dass Feuchtigkeit in den Boden eindringen kann. Gerade im temperaturgeführten Verteilerverkehr oder bei hygienisch sensiblen Anwendungen kann dies ein entscheidendes Argument sein. Denn Standzeiten und Verschleißkosten zählen in urbanen Lieferketten oft ebenso viel wie die reine Nutzlast.

Leichtbau wird zur strategischen Disziplin

Auffällig war beim Event vor allem eines: Der Begriff Leichtbau hat sich verändert. Lange galt er primär als Instrument zur Kraftstoffeinsparung. Heute wird er zunehmend zur Voraussetzung für wirtschaftliche Elektromobilität. Denn unabhängig davon, ob es um einen schweren Sattelzug oder ein leichtes Verteilerfahrzeug geht: Zusätzliche Batteriemasse muss kompensiert werden. Hersteller reagieren darauf längst nicht mehr nur mit leichteren Werkstoffen, sondern mit einem grundlegenden Überdenken von Fahrzeugkonzepten. Kögel verschiebt Lasten intelligenter. Humbaur reduziert Gewicht konsequent. Beide Ansätze zeigen, dass die Transformation des Straßengüterverkehrs nicht allein in der Zugmaschine stattfindet. Trailer und Aufbauten entwickeln sich zunehmend zu aktiven Effizienzfaktoren.

Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt

Die entscheidende Frage bleibt allerdings, wie schnell der Markt diese Lösungen annimmt. Elektrische Nutzfahrzeuge bewegen sich weiterhin in einem Spannungsfeld aus Investitionskosten, Ladeinfrastruktur und regulatorischen Unterschieden zwischen europäischen Ländern. Hersteller wie Kögel und Humbaur liefern erste Antworten. Doch die eigentliche Bewährungsprobe wird auf der Straße stattfinden: im täglichen Einsatz, unter Zeitdruck, mit voller Beladung und wirtschaftlichem Druck.

Das gemeinsame Event machte deutlich, dass sich die Branche längst nicht mehr fragt, ob Elektromobilität kommt. Die Diskussion dreht sich inzwischen um das Wie. Und genau dort entstehen derzeit die spannendsten technischen Lösungen.

27.05.2026

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