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Flexibilität und Effizienz sind ein Muss

Zu Frühlingsbeginn trafen wir uns mit dem Vizepräsidenten von Ford Trucks, Emrah Duman, um über Themen zu sprechen, die die Welt der Automobilndustrie in den letzten Monaten zunehmend bewegen – insbesondere im schweren Lkw-Segment.

Wie war das vergangene Jahr für Sie in Bezug auf Produktion und Absatz von Ford-Schwerlast-Lkw in Europa und weltweit?

Das vergangene Jahr war von einem komplexen und sich schnell verändernden Umfeld geprägt, darunter wirtschaftliche Unsicherheiten, volatile Lieferketten, Kostendruck und steigende regulatorische Anforderungen – insbesondere in Europa. Trotz dieser Herausforderungen konnten wir bei Ford Trucks die Produktionskontinuität aufrechterhalten, indem wir flexibel geblieben sind, uns auf operative Effizienz konzentriert und eng mit unserem Netzwerk zusammengearbeitet haben.

Im Vertrieb zeigten sich je nach Region unterschiedliche Marktdynamiken. In Europa spielten strengere Vorschriften sowie der wachsende Fokus auf Effizienz und Emissionen eine entscheidende Rolle. Entsprechend haben wir unser Produktportfolio weiter an die Markterwartungen angepasst, mit Fokus auf Kraftstoffeffizienz, Sicherheitstechnologien und Nachhaltigkeit.

In globalen Märkten, insbesondere in Regionen mit starkem Infrastrukturaufbau und wachsender Logistik, blieb die Nachfrage hoch. Dort stehen Langlebigkeit, Zuverlässigkeit und die Gesamtbetriebskosten weiterhin im Vordergrund.

Insgesamt konnten wir unsere Präsenz in Europa stärken und gleichzeitig unsere etablierte Position in globalen Märkten halten – mit klarem Fokus auf Effizienz, Kundenzufriedenheit und nachhaltiges Wachstum.

Können Sie etwas zu Produktions- und Vertriebsergebnissen aus europäischer und außereuropäischer Sicht sagen?

Im vergangenen Jahr zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen europäischen und außereuropäischen Märkten, was die unterschiedlichen regionalen Prioritäten widerspiegelt. In Europa konzentrierten wir uns auf strategisches Wachstum, bauten unser Händler- und Servicenetz aus und steigerten die Markenbekanntheit, um Kundenerwartungen zu erfüllen und unsere Marktposition zu sichern. Europa bleibt für Ford Trucks eine zentrale Wachstumsregion.

Außereuropäische Märkte stellen weiterhin einen bedeutenden Teil unseres Geschäfts dar, gestützt durch langjährige Kundenbeziehungen und etablierte Vertriebsstrukturen. Dank unserer starken Engineering-Kompetenz und flexiblen Produktpalette konnten wir gezielt auf regionale Anforderungen reagieren. Unser Ansatz verbindet geografische Diversifikation mit marktspezifischer Positionierung und ermöglicht so eine flexible Reaktion auf unterschiedliche Marktbedingungen.

Ist Ihre Position als außerhalb der EU ansässiger Hersteller ein Vorteil?

Die Tätigkeit außerhalb der EU kann strategische Vorteile bieten – insbesondere in Kombination mit vollständiger Anpassung an europäische Standards. Diese Position ermöglicht uns mehr operative Flexibilität und schnellere Entscheidungsprozesse, etwa in der Produktionsplanung oder bei technischen Prioritäten. Gleichzeitig profitieren wir von Erkenntnissen aus europäischen und globalen Märkten.

Als Ford Trucks erfüllen wir selbstverständlich alle EU-Vorgaben, insbesondere im Hinblick auf Emissionen, Sicherheit und Leistung – auch im Kontext von VECTO. Unsere Stärke liegt in der Kombination aus globaler Ingenieurskompetenz, Kosteneffizienz und Produktionsflexibilität mit strengen europäischen Standards – ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Diesel dominiert weiterhin. Wie sehen Sie die Elektrifizierung?

Dieselmotoren dominieren weiterhin, was die aktuellen Realitäten widerspiegelt: Fernverkehr, Infrastruktur und Kosten sprechen oft noch für Diesel. Gleichzeitig ist Elektrifizierung ein zentraler Bestandteil der langfristigen Transformation. Wir sehen sie jedoch nicht als Einheitslösung, sondern als schrittweisen, anwendungsbezogenen Übergang.

Besonders geeignet sind urbane Verkehre, Kurzstrecken und planbare regionale Einsätze. Unser Ansatz ist technologieoffen und realistisch: Nachhaltigkeit muss mit Reichweite, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinbar sein.

Kurz gesagt: Elektrifizierung ist keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann und Wo“.

Gibt es eine übertriebene Fokussierung auf Elektroantriebe?

Die Branche befindet sich im Wandel, und Hersteller kommunizieren unterschiedlich. Aus unserer Sicht sollte der Übergang realistisch und praxisnah erfolgen. Kunden entscheiden weiterhin nach Kriterien wie Zuverlässigkeit, Reichweite, Nutzlast, Infrastruktur und Gesamtbetriebskosten. Wir setzen auf einen technologieoffenen Ansatz, bei dem verschiedene Lösungen je nach Anwendung koexistieren können.

Wie stark ist das Interesse an BEV und FCEV?

Das Interesse an batterieelektrischen (BEV) und Brennstoffzellenfahrzeugen (FCEV) steigt. BEVs sind heute bereits konkreter – vor allem im urbanen und regionalen Einsatz. FCEV hingegen befindet sich noch in einer frühen Phase, insbesondere wegen Infrastruktur- und Kostenthemen. Diesel bleibt dominant, aber alternative Antriebe gewinnen an Bedeutung.

Welche Einsatzbereiche eignen sich für Elektroantriebe?

Am besten geeignet sind planbare Einsätze: urbane Distribution, letzte Meile und feste regionale Routen. Hier sind Reichweitenanforderungen überschaubar und Ladeinfrastruktur planbar. Fernverkehr und schwere Einsätze bleiben vorerst herausfordernd. Der Erfolg hängt stark vom Einsatzprofil ab.

Wird autonomes Fahren in nächster Zeit relevant?

Assistenzsysteme entwickeln sich stark weiter und bringen bereits heute Vorteile. Vollautonome Lkw stehen jedoch noch vor großen Herausforderungen (Regulierung, Infrastruktur, Haftung). Kurzfristig wird sich unser Portfolio dadurch nicht grundlegend verändern.

Wie sieht es im Bau-Segment aus?

Der Baustellenverkehr ist für uns wichtig, aber schwer zu elektrifizieren – wegen hoher Energieanforderungen und fehlender Infrastruktur. Teilweise sind urbane Anwendungen möglich, insgesamt erfolgt der Übergang jedoch schrittweise.

Wie unterscheidet sich der Druck zur Elektrifizierung regional?

In Europa treiben vor allem regulatorische Vorgaben den Wandel. In anderen Regionen stehen wirtschaftliche Faktoren stärker im Fokus. Gleichzeitig sorgen globale Unternehmen mit Nachhaltigkeitszielen auch dort für Nachfrage nach E-Lösungen. Ein flexibler, regional angepasster Ansatz ist entscheidend.

Was ist das größte Hindernis?

Nicht die Technologie, sondern das Ökosystem: Infrastruktur ist der Schlüssel. Hinzu kommen Kosten, Reichweite und Einsatzanforderungen. Elektrifizierung skaliert erst, wenn alle Faktoren zusammenspielen.

Wo sehen Sie die größte Bereitschaft zur Elektrifizierung?

Europa ist aktuell führend – durch Regulierung und Infrastruktur. Hier erwarten wir die ersten größeren Anwendungen von BEV-Lkw, vor allem im urbanen Bereich.

Wie sehen Sie das Jahr 2026?

2026 wird ein Jahr des Übergangs, nicht der Revolution. Diesel bleibt dominant, während BEVs in bestimmten Anwendungen wachsen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit werden entscheidend sein.

Welche Pläne verfolgen Sie dieses Jahr?

Wir stärken unsere Marktpräsenz und bauen unser Service-Netz weiter aus. Gleichzeitig treiben wir unsere Zero-Emission-Strategie voran – mit Investitionen in Elektrifizierung, Digitalisierung und Assistenzsysteme. Unser Fokus liegt auf messbarem Fortschritt und nachhaltigem Kundennutzen.

Danke.

Das Interview führte Milan Olšanský, ITOY Mitglied für Tschechien und Slowakei

07.05.2026

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