
Adam Lacko ist kein Unbekannter. 2017 krönte er sich zum Europameister im Truck Racing, ein Titel, der Gewicht hat, weil er nicht nur Geschwindigkeit verlangt, sondern Konstanz, Technikverständnis und Nervenstärke. Mehr als drei Jahrzehnte Motorsport liegen hinter ihm. Karts, Tourenwagen, Trucks.
Und doch sagt er heute einen Satz, der hängen bleibt: Es ist ein großer Umbruch.
Offroad-Rallye ist eine andere Welt. Keine Rundstrecke, keine klar definierten Bremspunkte, kein Rhythmus, der sich Runde für Runde wiederholt. Stattdessen: Gelände, das sich ständig verändert. Entscheidungen, die nicht nur schnell, sondern auch blind getroffen werden müssen.
Buggyra ZM Racing holt ihn genau in diesem Moment ab. Nicht als fertigen Offroad-Piloten, sondern als jemanden, der noch einmal lernen will.
Buggyra denkt größer
Für das Team ist dieser Schritt ebenfalls mehr als nur ein Fahrerwechsel. Buggyra kennt die Wüste. Dakar Rally, Middle East Bajas. Hitze, Sand, lange Distanzen. Europa hingegen ist ein anderes Spiel. Die FIA European Baja Serie bringt engere Strecken, wechselnde Untergründe, oft unberechenbare Bedingungen. Es ist Neuland für das Team, und genau darin liegt der Reiz.
Das Programm wirkt durchdacht:
Aliyyah Koloc startet zunächst im stärkeren, turboaufgeladenen T1+ GTR. Martin Koloc und Lacko teilen sich die nicht aufgeladene Variante. Ab Sommer wächst das Projekt auf drei Fahrzeuge.
Das ist keine vorsichtige Annäherung. Das ist ein klarer Angriff.

Die Maschine als Lehrmeister
Der REVO Red-Lined T1+ GTR ist kein Auto, das man einfach fährt. Er fordert. Er zwingt den Fahrer, sich anzupassen. Lacko spricht davon, dass er mit jedem Kilometer lernt. Dass jede Runde Spaß macht, aber gleichzeitig Arbeit ist. Man spürt zwischen den Zeilen: Hier geht es nicht um sofortige Resultate. Es geht um Verständnis. Um Gefühl.
Ein Rundstreckenfahrer sucht die perfekte Linie.
Ein Rallye-Fahrer sucht die richtige Entscheidung im falschen Moment. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Der größte Gegner sitzt rechts. Doch die größte Umstellung wartet nicht im Gelände, sondern im Cockpit. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird Lacko mit einem Beifahrer unterwegs sein. Dreißig Jahre lang war er allein verantwortlich für jede Entscheidung. Jetzt muss er zuhören. Vertrauen. Reagieren.
Er selbst nennt es die größte Herausforderung. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn im Offroad-Rallyesport entscheidet oft nicht der Mut, sondern die Interpretation. Pace Notes sind keine Empfehlung, sie sind Realität. Wer zu spät reagiert, verliert nicht nur Zeit, sondern auch Kontrolle.
Ein Kalender ohne Schonfrist
Die Saison beginnt früh, Anfang Mai in Cuenca. Spanien. Danach folgt ein dichter Kalender: Italien, Aragón, Ungarn, Polen, Portugal. Ein Rhythmus, der kaum Raum für Fehler lässt. Und auch kaum Zeit zum Lernen. Nur Griechenland lässt Buggyra aus. Parallel ruft die Taklimakan Rally in China. Ein Zeichen dafür, dass das Team längst global denkt.

Der letzte Abschnitt einer großen Karriere
Martin Koloc formuliert es vorsichtig. Er spricht vom „letzten Kapitel“ in Lackos Karriere. Das kann man sentimental lesen. Oder als Chance. Denn genau hier liegt die eigentliche Geschichte:
Ein Fahrer, der alles erreicht hat, entscheidet sich bewusst für Unsicherheit. Keine sichere Bühne. Kein Terrain, das er beherrscht. Sondern ein Neuanfang, bei dem Fehler dazugehören.
Mehr als nur ein Debüt
Dieses Projekt ist mehr als ein weiterer Eintrag in einer langen Karriere. Es ist ein Perspektivwechsel. Für Lacko bedeutet es, wieder Schüler zu sein. Für Buggyra bedeutet es, neue Grenzen zu verschieben. Und für den Sport zeigt es etwas, das selten geworden ist:
Dass Erfahrung nicht das Ende von Entwicklung sein muss. Manchmal ist sie nur der Anfang von etwas anderem.

