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Mehr Nähe zum Kunden – Daimler Truck setzt weiter auf eigenen Vertrieb

Wenn ein Hersteller beginnt, den direkten Draht zum Kunden systematisch auszubauen, ist das selten Zufall – und fast nie reine Symbolpolitik. Mit der geplanten Übernahme des Standorts Passau Sperrwies von der Josef Paul GmbH & Co. KG sendet Mercedes-Benz Trucks ein klares Signal: Der Eigenvertrieb, intern als „Own Retail“ bezeichnet, wird zum strategischen Rückgrat der europäischen Marktpräsenz.

Ab April 2026 soll der traditionsreiche Nutzfahrzeugstandort in Niederbayern – vorbehaltlich kartellrechtlicher Freigaben – Teil des Daimler-Truck-eigenen Handelsnetzes werden. Vertrieb und Service für Lkw von Mercedes-Benz und FUSO, Service für Busse der Marken Mercedes-Benz und Setra sowie für Transporter, Pkw und Wohnmobile: Das Portfolio ist breit angelegt und zielt klar auf gewerbliche Kunden mit hohem Beratungs- und Servicebedarf.

Own Retail: Kontrolle statt Abhängigkeit

Der Schritt passt in eine langfristig angelegte Strategie. Von 36 Own-Retail-Standorten im Jahr 2024 soll das Netz bis 2030 um mehr als 60 Prozent wachsen. Damit geht es nicht nur um Flächendeckung, sondern um Kontrolle: über Prozesse, Servicequalität, Kundendialog – und letztlich über die Marge im After-Sales-Geschäft.

Gerade im Lkw-Geschäft, das von komplexen Fahrzeugkonfigurationen, individuellen Einsatzprofilen und zunehmender Elektrifizierung geprägt ist, wird der direkte Kundenzugang zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Hersteller, die hier ausschließlich auf unabhängige Handelspartner setzen, geben zwangsläufig Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand.

Passau als strategischer Baustein

Der Standort Passau fügt sich logisch in dieses Bild ein. Verkehrsgünstig gelegen, tief in der regionalen Transport- und Logistiklandschaft verankert und seit Jahren leistungsstark, schließt er eine geografische Lücke zwischen bestehenden Daimler-Truck-Niederlassungen. Gleichzeitig ist das Nutzfahrzeugzentrum von Beginn an auf alternative Antriebstechnologien ausgelegt – ein nicht zu unterschätzender Punkt mit Blick auf die Transformation des Marktes.

Rund 150 Beschäftigte sollen im Zuge eines Betriebsübergangs zu Daimler Truck wechseln. Für Kunden bedeutet das vor allem eines: Kontinuität im operativen Geschäft, kombiniert mit der Struktur und Prozesslogik eines herstellereigenen Vertriebs.

Klare Rollen, saubere Trennung

Bemerkenswert ist dabei die gewählte Lösung mit der Paul-Gruppe. Während Daimler Truck die Retail-Aktivitäten für Nutzfahrzeuge übernimmt, verbleibt der Pkw- und Transportervertrieb am Standort Passau bei der Josef Paul GmbH & Co. KG. Der Sonderfahrzeugbau der Paul Nutzfahrzeuge GmbH bleibt ohnehin unberührt und weiterhin ein technologisch wichtiger Partner.

Das Ergebnis ist ein Kooperationsmodell mit klaren Zuständigkeiten: Seriengeschäft und Retail-Standards auf der einen, hochspezialisierte Fahrzeuglösungen auf der anderen Seite. Für Kunden klingt das nach kurzen Wegen – und nach weniger Reibungsverlusten.

Mehr als nur Expansion

Die Übernahme in Passau ist kein Einzelfall, sondern Teil einer breiter angelegten Bewegung. Neubauten, Erweiterungen und Investitionen in Würzburg, Aschheim, Hamburg, Wörth, Koblenz und Nürnberg zeigen: Daimler Truck meint es ernst mit dem Own-Retail-Ansatz. In Zeiten zunehmender Marktvolatilität setzt der Konzern bewusst auf Serviceumsätze und Kundenbindung als stabilisierende Faktoren.

Unterm Strich ist Passau weniger ein regionales Ereignis als ein weiteres Mosaiksteinchen in einer europäischen Gesamtstrategie. Eine Strategie, die davon ausgeht, dass Nähe zum Kunden nicht delegiert werden sollte – sondern Chefsache bleibt.

06.02.2026

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