
Ein bedeutender Meilenstein für die nachhaltige Logistik: In einer beispiellosen Zusammenarbeit ist es Kuehne+Nagel, LeShuttle Freight, Voltempo und DAF Trucks gelungen, den ersten vollelektrischen Schwerlast-Lkw (eHGV) durch den Eurotunnel zu fahren. Die rund 1.700 km lange Tour markiert nicht nur ein technologisches, sondern auch ein klimapolitisches Novum auf einer der wichtigsten Handelsrouten Europas.
Grüne Pionierleistung auf Schiene und Straße
Der Eurotunnel, betrieben von Eurotunnel, ist die längste Unterwasserverbindung der Welt und stellt die einzige emissionsfreie Möglichkeit dar, den Ärmelkanal mit dem Lkw zu überqueren. Über eine Million Lkw nutzen jährlich die LeShuttle Freight-Dienste, die vollständig mit Strom betrieben werden. Mit der erfolgreichen Fahrt eines vollelektrischen Lkw durch den Tunnel wurde ein neues Kapitel für den grenzüberschreitenden, emissionsfreien Gütertransport aufgeschlagen.
Die Initiative ist Teil des britischen Regierungsprogramms Zero Emission HGV and Infrastructure Demonstrator (ZEHID), das durch das Verkehrsministerium gefördert und in Zusammenarbeit mit Innovate UK umgesetzt wird. Das Projekt eFREIGHT 2030, an dem Kuehne+Nagel, Voltempo und DAF beteiligt sind, will die Kommerzialisierung und Skalierbarkeit von emissionsfreien Schwerlasttransporten aufzeigen und vorantreiben.
Die Route: Von den britischen Midlands bis ins hessische Haiger
Die Reise startete im Kuehne+Nagel-Depot East Midlands Gateway. Der DAF XF Electric wurde dort mit 12 Tonnen Fracht beladen und über den Voltempo HyperCharger geladen – eine der ersten Megawatt-Ladestationen im Vereinigten Königreich. Die moderne Anlage bietet eine Ladeleistung von bis zu 1 Megawatt und kann diese dynamisch auf bis zu sechs Fahrzeuge gleichzeitig verteilen.
Auf dem Weg zum Ziel, dem Kuehne+Nagel-Standort im hessischen Haiger, führte die Route über fünf Länder: Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland. Unterwegs nutzte das Fahrerteam öffentliche Schnellladestationen von Gridserve (UK), Milence (Dünkirchen, Frankreich und Maasmechelen, Belgien). Die Reise unterstrich nicht nur die wachsende Ladeinfrastruktur in Europa, sondern auch die Realisierbarkeit internationaler Langstreckenfahrten mit batterieelektrischen Nutzfahrzeugen.

Technologie, die Maßstäbe setzt
Eingesetzt wurde der DAF XF Electric, der mit dem Titel „International Truck of the Year 2026“ ausgezeichnet wurde. Das Fahrzeug ermöglicht Reichweiten von bis zu 500 Kilometern pro Akkuladung und unterstützt DC-Schnellladung mit bis zu 325 kW. Damit sind im Alltag Tagesetappen von bis zu 1.000 Kilometern möglich – auch im schweren Fernverkehr mit bis zu 42 Tonnen Gesamtgewicht.
„Dieser bedeutende Meilenstein zeigt, dass elektrische Lkw von DAF zuverlässig auf internationalen, länderübergreifenden Routen betrieben werden können – einschließlich der Überquerung des Ärmelkanals. Der DAF XF Electric ermöglicht im realen Einsatz tägliche Fahrleistungen von bis zu 1.000 Kilometern bei Nutzung von Schnellladeinfrastruktur. Mit einem Dreiachsanhänger und einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 42 Tonnen bietet er echte Schwerlastfähigkeit für den regulären Logistikbetrieb. Die Kanalüberquerung beweist, dass der elektrische Gütertransport auf einem der verkehrsreichsten Handelskorridore Europas skalierbar ist – und damit sowohl die Klimaziele des Vereinigten Königreichs als auch der EU unterstützt. Gleichzeitig wird deutlich, dass nachhaltiger internationaler Transport heute bereits praktikabel, effizient und wirtschaftlich tragfähig ist.“
David Kiss, Managing Director von DAF Trucks
Partnerschaft als Schlüssel zur Skalierung
Die erfolgreiche Durchführung des Projekts zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik ist. Das Verkehrsministerium sieht in der Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs ein großes wirtschaftliches Potenzial für britische Unternehmen, Arbeitsplätze und die heimische Produktion. Subventionen in Höhe von bis zu 120.000 Pfund pro E-Lkw sowie Investitionen in Höhe von 120 Millionen Pfund in Ladeinfrastruktur fördern den schnellen Markthochlauf.
Zukunftsfähigkeit auf Europas wichtigsten Handelsachsen
Logistics UK betont, dass durch die erfolgreiche Fahrt des eLkw von einem zentralen britischen Logistikstandort über den Ärmelkanal nach Kontinentaleuropa die Bedenken hinsichtlich Reichweiten endgültig widerlegt werden. Die sogenannte „Short Straits“-Verbindung bleibt eine der kritischsten Routen für die britische Wirtschaft – und nun auch eine Strecke, auf der emissionsfreier Schwerlastverkehr ohne Einschränkungen möglich ist.
Fazit
Die erstmalige Durchquerung des Eurotunnels mit einem batterieelektrischen Lkw ist ein symbolträchtiger und technischer Durchbruch. Sie zeigt, dass emissionsfreie Logistik über Grenzen hinweg nicht nur eine Option, sondern längst realisierbar ist. Mit dem Ausbau von Ladeinfrastruktur, staatlicher Förderung und dem Engagement führender Unternehmen ist ein skalierbarer, CO₂-freier Güterverkehr entlang der wichtigsten europäischen Handelskorridore bereits heute Realität.
