
Die L-Cab von Scania gehört zu den bekanntesten Low-Entry-Fahrerhäusern im kommunalen und urbanen Einsatz. Jetzt hat sie einen weiteren, wichtigen Meilenstein erreicht: fünf Sterne im Safer-Trucks-Programm von Euro NCAP. Mehr geht aktuell nicht.
Getestet wurde eine elektrische Variante der L-Cab aus dem sogenannten Utility-Segment. Darunter fallen Fahrzeuge wie Müllsammelfahrzeuge, Service-Lkw oder andere Nutzfahrzeuge, die täglich mitten im Stadtverkehr unterwegs sind. Also genau dort, wo es eng wird, wo Radfahrer, Fußgänger und Lieferverkehr aufeinandertreffen und wo gute Übersicht nicht nur angenehm, sondern entscheidend ist.
Direkte Sicht statt Kompromisse
Das Konzept der L-Cab ist klar: niedriger Einstieg, große Glasflächen und eine Sitzposition, die dem Fahrer echte direkte Sicht ermöglicht. Besonders in Kombination mit der optionalen City Door spielt das Fahrerhaus seine Stärken aus. Die Tür öffnet nach innen und braucht kaum Platz. Das reduziert das Risiko klassischer Dooring-Unfälle und erleichtert den sicheren Ausstieg im dichten Verkehr.
Im Alltag bedeutet das weniger Stress für den Fahrer und mehr Sicherheit für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Gerade bei Stop-and-Go-Einsätzen, wie sie bei der Abfallentsorgung oder im Baustellenverkehr üblich sind, zählt jeder zusätzliche Blickwinkel.
Aktive Systeme greifen ein, wenn es kritisch wird
Euro NCAP bewertet nicht nur passive Sicherheit, sondern vor allem, wie gut ein Fahrzeug Unfälle vermeiden kann. Hier punktet die L-Cab mit einem ganzen Paket moderner Assistenzsysteme. Dazu gehören ein leistungsfähiger Notbremsassistent, Spurverlassenswarnung mit aktivem Lenkeingriff und ein spezielles Notbremssystem für Abbiegesituationen, das Radfahrer auf der Beifahrerseite erkennt.
Diese Systeme arbeiten nicht im Hintergrund, sondern sind auf den realen Einsatz abgestimmt. Sie greifen ein, wenn der Fahrer übersieht, was im hektischen Stadtverkehr schnell passieren kann. Genau das honoriert Euro NCAP mit der Höchstwertung.
Auch passiv auf hohem Niveau
Kommt es doch zu einem Unfall, ist die L-Cab ebenfalls gut gerüstet. Fahrer- und Seitenairbags, eine stabile Kabinenstruktur und klar definierte Lastpfade gehören zum Sicherheitskonzept. Scania setzt hier seine internen Standards konsequent um, unabhängig davon, ob es sich um einen Fernverkehrs- oder einen kommunalen Lkw handelt.
Lars Gustafsson, Head of Trucks bei Scania, bringt es auf den Punkt: Die Auszeichnung sei der Beweis dafür, dass Sicherheit nicht nur ein Versprechen ist, sondern konkret umgesetzt wird. Gleichzeitig sieht er die Bewertung als weiteren Schritt auf dem Weg zu einem Straßenverkehr ohne schwere Unfälle.
Vertraut, funktional und vielseitig
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Integration der L-Cab in das modulare Scania-System. Fahrer finden sich sofort zurecht. Bedienelemente, Anzeigen und Logik entsprechen dem, was man aus anderen Baureihen kennt. Das spart Einarbeitungszeit und reduziert Bedienfehler.
Dank ihrer Bauweise eignet sich die L-Cab für viele Aufbauten. Kipper, Betonmischer oder Truck-Mounted-Attenuators lassen sich ebenso realisieren wie klassische Kommunalfahrzeuge. Die fünf Sterne von Euro NCAP gelten damit nicht nur für ein einzelnes Konzept, sondern für ein breites Einsatzspektrum.
Euro NCAP nimmt schwere Lkw ernst
Das Safer-Trucks-Programm ist noch vergleichsweise jung. Seit 2020 arbeitet Euro NCAP an einem Bewertungssystem für schwere Nutzfahrzeuge, die ersten Ergebnisse wurden Ende 2024 veröffentlicht. Bewertet wird entlang der gesamten Unfallkette: vom sicheren Fahren über die Unfallvermeidung und den Insassenschutz bis hin zur Sicherheit nach dem Crash.
Dass die Scania L-Cab hier direkt die Höchstwertung erreicht, ist mehr als ein schönes Testergebnis. Es zeigt, dass moderne Nutzfahrzeuge heute ein Sicherheitsniveau erreichen können, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Und es setzt Maßstäbe für alle, die im urbanen Raum unterwegs sind.
