
Die Digitalisierung macht auch vor dem Kühltransport nicht halt. Während Fuhrparks in den vergangenen Jahren zunehmend vernetzt wurden, blieb ein zentrales Problem oft ungelöst: der fragmentierte Blick auf heterogene Flotten. Unterschiedliche Zugmaschinen, Trailer, Kühlaggregate und Telematiksysteme erzeugen Dateninseln, die sich nur mit erheblichem Aufwand zusammenführen lassen. Der Transportkältespezialist Thermo King will dieses Problem nun mit einer neuen Plattform angehen.
Eine Plattform für gemischte Flotten
Mit „TK OneView“ hat das Unternehmen eine digitale All-in-One-Lösung vorgestellt, die Daten aus gemischten Flotten auf einer einzigen Oberfläche bündeln soll. Der Dienst ist seit Januar in Europa, dem Nahen Osten und Afrika verfügbar und richtet sich insbesondere an Betreiber, die Fahrzeuge und Kühltechnik verschiedener Hersteller einsetzen.
Im Kern verspricht die Plattform einen ganzheitlichen Überblick über den Flottenbetrieb in Echtzeit. Zusammengeführt werden unter anderem Informationen zu Zugmaschinen, Trailern und Kühlaggregaten ebenso wie Daten aus elektronischen Bremssystemen, Reifendruckkontrollen und Achslastsensoren. Hinzu kommen Auswertungen zum Fahrerverhalten, die Rückschlüsse auf Sicherheit und Effizienz erlauben sollen. Die technische Herkunft der einzelnen Komponenten spielt dabei nach Angaben des Unternehmens keine Rolle.
Flottenmanagement als Datenfrage
Der Schritt ist Ausdruck eines strukturellen Wandels in der Logistikbranche. Flottenmanagement entwickelt sich zunehmend von der reinen Ortung und Temperaturüberwachung hin zu datengetriebenen Entscheidungsplattformen. Effizienz, Betriebssicherheit und regulatorische Anforderungen – etwa im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit oder CO₂-Reduktion – lassen sich ohne integrierte Datenbasis kaum noch erfüllen.
Kooperation statt Insellösung
Thermo King positioniert sich mit OneView dabei nicht nur als Hardwarelieferant, sondern als Anbieter eines umfassenden digitalen Ökosystems. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen den Aufbau der Plattform gemeinsam mit dem Telematikspezialisten idem telematics vorangetrieben hat, einer Tochter der BPW-Gruppe. Diese Kooperation unterstreicht, dass sich im Bereich der Flottendigitalisierung zunehmend Allianzen zwischen spezialisierten Technologieanbietern bilden.
Weniger Komplexität, mehr Transparenz
Für Flottenbetreiber könnte der Nutzen vor allem in der Reduzierung von Komplexität liegen. Statt mehrere Drittanbieter und Schnittstellen zu koordinieren, verspricht OneView eine zentrale Anlaufstelle – inklusive Anbindung an das Servicenetz von Thermo King. Ob sich diese Bündelung auch wirtschaftlich rechnet, dürfte letztlich davon abhängen, wie offen und interoperabel die Plattform im Alltag tatsächlich ist.
Strategische Positionierung im digitalen Wettbewerb
Fest steht: Die Transparenz über Fahrzeuge, Technik und Fahrer wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im temperaturgeführten Transport. Mit TK OneView versucht Thermo King, diesen Anspruch systematisch abzubilden – und sich zugleich als strategischer Partner für eine zunehmend datenbasierte Logistik zu etablieren.
