
Das Autojahr 2025 war eines, mit dem viele in dieser Form nicht gerechnet hatten. Nach Jahren der Unsicherheit, unterbrochener Lieferketten, hoher Inflation und verhaltener Konsumstimmung zeigt der österreichische Automobilmarkt plötzlich wieder klare Lebenszeichen. Die Neuzulassungen von Pkw legten um beachtliche zwölf Prozent zu und erreichten rund 285.000 Fahrzeuge. Ein Wert, der zwar noch nicht ganz an die Zeit vor Corona heranreicht, aber deutlich macht: Die Talsohle scheint durchschritten.
Unerwarteter Aufschwung trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, sprach von einer „äußerst erfreulichen“ Entwicklung. Und tatsächlich ist der Zuwachs bemerkenswert, wenn man sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Augen führt. Hohe Energiepreise, steigende Finanzierungskosten und eine generell fragile Konjunktur hätten auch 2025 eigentlich wenig Anlass für Kauflaune geboten. Umso überraschender sei es, so Kerle, dass der Markt so deutlich an Fahrt aufgenommen habe. Der Abstand zu den Vor-Corona-Jahren schrumpft – auch wenn man noch nicht am Ziel ist.
Handel sieht Stabilisierung, aber keine Entwarnung
Im Fahrzeughandel wird diese Entwicklung mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Klaus Edelsbrunner, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandels, sieht eine spürbare Stabilisierung und eine Rückkehr der Zuversicht. Gleichzeitig warnt er davor, sich von den aktuellen Zahlen blenden zu lassen. Damit der Aufschwung nachhaltig trägt, brauche es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.
Ruf nach einfachen und planbaren Regeln
Technologieoffene Mobilität, planbare Gesetzgebung und einfache, praxistaugliche Regeln seien entscheidend, wenn Investitionen gesichert und Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Kurz gesagt: Weniger Bürokratie, mehr Klarheit. Nur so lasse sich die aktuell positive Entwicklung langfristig absichern.
Sinkende Emissionen als messbarer Fortschritt
Ein Bereich, in dem sich der Fortschritt bereits gut ablesen lässt, ist der CO₂-Ausstoß der Neufahrzeuge. Seit Jahren sinken die durchschnittlichen Emissionen kontinuierlich. 2025 lag der Wert bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bei 122 Gramm CO₂ pro Kilometer. Zählt man die reinen Elektrofahrzeuge hinzu, fällt der Durchschnitt auf 96 Gramm – und damit erstmals unter die symbolisch wichtige Marke von 100 Gramm.
SUV-Debatte und die Frage der Verhältnismäßigkeit
Diskussionsstoff bot einmal mehr das Thema SUV. Kerle hielt der oft emotional geführten Debatte nüchterne Zahlen entgegen: Mehr als 85 Prozent der als problematisch bezeichneten SUVs bewegen sich größenmäßig auf dem Niveau eines VW Golf. Vor diesem Hintergrund könne er Forderungen nach höheren Parkgebühren oder pauschalen Einschränkungen kaum nachvollziehen.
EU-Flottenziele zwischen Klimaschutz und Industriepolitik
Gleichzeitig verteidigte Kerle die geplante Aufweichung der EU-Flottenziele. Ohne Anpassungen drohten europäischen Herstellern massive Strafzahlungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter schwächen würden. Die Diskussion müsse daher auch industriepolitisch geführt werden.
NoVA als Dauerbrenner der Kritik
Deutliche Kritik kam erneut am österreichischen Kfz-Steuersystem auf. Vor allem die Normverbrauchsabgabe, die NoVA, gilt in der Branche als Paradebeispiel für überbordende Komplexität. Für Konsumentinnen und Konsumenten kaum verständlich, für Importeure und Händler aufwendig und fehleranfällig in der Umsetzung – hier sieht man dringenden Reformbedarf.
Verhaltener Ausblick auf 2026
Der Blick nach vorne fällt insgesamt vorsichtig positiv aus. Für 2026 rechnen die Automobilimporteure mit einem leichten Plus auf etwa 290.000 Neuzulassungen. Ein moderates Wachstum, das zeigt, dass der Markt zwar wieder Boden gutmacht, aber noch längst nicht in ruhigem Fahrwasser angekommen ist.
Nutzfahrzeugmarkt deutlich unter Druck
Deutlich schwieriger stellt sich die Lage bei den schweren Nutzfahrzeugen dar. Franz Weinberger, Sprecher der österreichischen Nutzfahrzeugimporteure, zeichnete ein ernüchterndes Bild. Die Insolvenzen im gewerblichen Gütertransport sind um 30 Prozent gestiegen. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, Neufahrzeuge werden später angeschafft, die Fahrzeugbestände schrumpfen.
Forderung nach konkreten politischen Impulsen
Weinberger fordert daher klare Impulse von der Politik. Konkret nennt er legistische Maßnahmen wie die Einführung von fünfachsigen Lkw mit 40 Tonnen Gesamtgewicht nach Schweizer Vorbild oder die Abschaffung des sogenannten Nacht-60ers auf Autobahnen und Schnellstraßen. Solche Schritte könnten Effizienz und Wirtschaftlichkeit spürbar verbessern.
Elektrifizierung kommt voran – Förderung bleibt Schlüssel
Trotz der angespannten Lage gibt es auch im Nutzfahrzeugsegment Lichtblicke. Die Transformation hin zu batterieelektrischen Antrieben kommt voran. In zwei Monaten des Vorjahres erreichten batterieelektrische Lkw und Sattelzugmaschinen bereits einen Marktanteil von fünf Prozent. Für Weinberger ein klares Signal, dass der Weg stimmt – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen bleiben unterstützend.
Fortschritt mit angezogener Handbremse
Unterm Strich zeigt das Autojahr 2025 ein differenziertes Bild. Der Pkw-Markt überrascht positiv, die Transformation zeigt messbare Fortschritte, doch die strukturellen Herausforderungen bleiben. Bürokratie, Steuerkomplexität und unsichere Rahmenbedingungen bremsen das Potenzial. Optimismus ist angebracht – aber nur, wenn er von konkreten Reformen begleitet wird.
