
Wenn ein Jahr zu Ende geht, wirkt die Nutzfahrzeugwelt manchmal wie ein nächtlicher Rastplatz: Neonlicht, ein letzter Kaffee, draußen brummt es noch – aber man merkt, dass der große Druck auf dem Kessel nachlässt. 2025 war genau so ein Jahr. Nicht der große Knall, nicht das große Wunder. Eher ein Reality-Check auf Rädern.
Die gute Nachricht: Die Zukunft ist nicht mehr nur Messe-Bühne
2025 hat geliefert – zumindest dort, wo man es anfassen kann. Batterie-elektrische Schwer-Lkw sind nicht mehr nur Prototypen, die geschniegelt vor Kameras stehen, sondern tauchen real in Flotten auf. Ein Symbol dafür: der Mercedes-Benz eActros 600. Das Ding hat nicht nur den Titel „International Truck of the Year 2025“ eingeheimst, sondern rollt in Kundenflotten – inklusive großer Bestellungen und ersten Einsätzen bei Logistikern.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die EU-Zulassungen, wie zäh und zugleich real der Wandel ist: In den ersten neun Monaten 2025 gingen die Truck-Neuzulassungen in der EU zwar zurück, Diesel dominiert aber weiter – und „electrically-chargeable trucks“ wachsen langsam, aber sichtbar (Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich, mit kräftigen Zuwächsen in einzelnen Ländern). Das ist nicht sexy im Sinne von „über Nacht alles neu“. Aber es ist sexy im Sinne von „es passiert wirklich“.
Die schlechte Nachricht: Der Markt hatte 2025 eher Hangover als Höhenflug
Weniger Neuzulassungen bedeuten: Viele Flotten hielten das Geld zusammen, Entscheidungen wurden vertagt, und die Branche fuhr oft auf Sicht. Das ist nicht dramatisch-romantisch, sondern nüchtern: Investitionsstau ist der natürliche Feind jeder Transformation – egal ob man an E-Antrieb, H₂ oder Effizienz glaubt.
Dazu kommt: Der politische Wind wirkt 2025 insgesamt weniger „grün-euphorisch“ und mehr „industriestrategisch“. Das sieht man zwar gerade stark im Pkw-Bereich (Debatten um Ziele, Fristen, Flexibilitäten) – aber die Stimmung färbt ab: Regulierung soll wirken, aber bitte ohne die Industrie zu zerlegen.
Die „unnötige“ Entwicklung: Bürokratie als Dauerlauf
Die Branche hat 2025 wieder gelernt, dass Digitalisierung manchmal nicht Innovation heißt, sondern Nachweispflicht. Beispiel Tachograph: Für international eingesetzte Fahrzeuge gab es 2025 eine harte Deadline zur Umrüstung auf den Smart Tachograph Version 2, inklusive stärkerer und einheitlicherer Kontrolle in der EU. Das ist sinnvoll für Fairness und Durchsetzung – fühlt sich operativ aber oft an wie: „Noch ein Update, noch ein Termin, noch ein Werkstatt-Slot, den du eigentlich nicht hast.“
Und ja: Ein Teil der „Transformation“ bestand 2025 nicht aus bahnbrechender Technik, sondern aus Verwaltungsrealität – von Ausrüstungspflichten bis zu Mautlogiken. In Deutschland war die CO₂-Differenzierung der Lkw-Maut bereits eingeführt, und parallel liefen Debatten/Planungen weiter, wie sich Kostenanreize für unterschiedliche Antriebe entwickeln.
2026: kritisch, aber nicht verzweifelt
Was wird 2026? Wahrscheinlich kein Jahr der großen Wahrheiten, eher eines der großen Rechnungen.
Elektrisch wird erwachsener – und damit unromantischer. 2026 wird weniger „Wow!“ und mehr „Zeig mir TCO, Ladefenster, Netzanschluss, Restwert.“ Genau das ist Fortschritt.
Infrastruktur bleibt der Flaschenhals mit Sixpack. Die EU drückt den Ausbau alternativer Kraftstoff-Infrastruktur über verbindliche Vorgaben (AFIR) – aber zwischen Verordnung und Ladesäule liegen Genehmigungen, Netze, Standorte, Geld.
Kostenimpulse werden schärfer. In Deutschland steht z. B. im Raum, dass die Mautbefreiung für E-Lkw Ende 2025 ausläuft und es ab 2026 ein anderes (weiterhin günstigeres) Regime geben soll – das kann Kaufentscheidungen drehen, aber es zwingt auch zu echten Kalkulationen statt Bauchgefühl.
Hydrogen bleibt die große Verheißung – aber mit Pflicht zur Ehrlichkeit. Wasserstoff kann in bestimmten Schwerlast- und Langstrecken-Use-Cases Sinn ergeben, doch 2026 wird stärker sortieren: Wo entstehen wirklich funktionierende Ökosysteme – und wo ist es nur PowerPoint?
Fazit
Unterm Strich: 2025 war das Jahr, in dem die Branche ein Stück Illusion verloren hat – und genau dadurch Substanz gewonnen hat. Der Diesel ist noch da, klar. Aber die Gegenwart ist nicht mehr alternativlos. Und 2026? Wird nicht leicht. Aber es wird konkret. Und Konkretheit ist – gerade in dieser Branche – die attraktivste Form von Hoffnung.
- Christoph Kölbel
