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Wie Maxion Wheels mit grünem Stahl das Lkw-Rad neu denkt

Ein Lkw-Stahlrad wirkt unscheinbar. Rund, schwarz, funktional. Doch hinter diesem Bauteil steckt mehr Ingenieurskunst, als man ihm ansieht – und ein nicht zu unterschätzender Hebel für den CO₂-Fußabdruck moderner Nutzfahrzeuge.

Wer heute über Nachhaltigkeit im Lkw spricht, denkt meist an Antriebe, Batterien oder alternative Kraftstoffe. Die Räder geraten dabei leicht aus dem Blick. Zu Unrecht. Denn sie tragen nicht nur die Last des Fahrzeugs, sondern auch einen relevanten Teil seiner Emissionen – bereits lange bevor der Lkw einen Meter gefahren ist.

Drei Jahrzehnte Leichtbau

Im europäischen Entwicklungszentrum von Maxion Wheels in Königswinter wird seit Jahrzehnten an genau diesem Punkt gearbeitet: weniger Gewicht, gleiche oder höhere Festigkeit. Ende der 1990er Jahre brachte ein Standard-Lkw-Stahlrad der Größe 22,5 x 9,00 noch rund 41 Kilogramm auf die Waage. Heute sind es 32 Kilogramm. Die jüngste Generation unterschreitet erstmals sogar die 30-Kilogramm-Marke.

Das klingt nach Evolution, ist aber harte Detailarbeit. Jedes eingesparte Kilogramm erfordert Tausende Stunden Konstruktion, Simulation und Test. Denn Sicherheit, Dauerfestigkeit und Qualität sind nicht verhandelbar. Der Effekt ist dennoch klar: geringeres Radgewicht verbessert Nutzlast und Effizienz – und senkt indirekt den Verbrauch.

Der große Hebel liegt im Material

Noch stärker wirkt sich jedoch das Material selbst aus. In der Herstellung eines Stahlrades entfallen rund 75 bis 85 Prozent des CO₂e-Fußabdrucks auf Rohstoffe und Energie. In der sogenannten Cradle-to-Gate-Betrachtung verursacht ein konventionell hergestelltes Lkw-Stahlrad derzeit etwa 133 Kilogramm CO₂.

Setzt man dagegen „grünen Stahl“ ein, sinkt dieser Wert auf rund 45 Kilogramm. Das entspricht einer Reduktion um 66 Prozent. Für Maxion ist das kein Zukunftsszenario, sondern technisch bereits umsetzbar. Leichtere Designs verstärken den Effekt zusätzlich, weil weniger Material benötigt wird.

Vertriebschef Stan Mommers ist überzeugt, dass Grüner Stahl zur Norm wird. Maxion bereitet sich darauf vor und will bis 2030 rund 90 Prozent seiner Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen.

Nachhaltigkeit messbar machen

Damit Nachhaltigkeit nicht abstrakt bleibt, arbeitet Maxion gemeinsam mit Industriepartnern an transparenten Bewertungsansätzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Lebenszyklusanalyse. Neben den reinen Herstellungs-Emissionen fließen auch Gewicht und Tragfähigkeit des Rades ein. Daraus entsteht ein Leichtbauindikator, der schließlich in einem übergeordneten „Wheel Sustainability Indicator“ mündet.

Die Idee: ein Label am Rad, angelehnt an das bekannte EU-Energielabel. Fahrzeughersteller und Flottenbetreiber könnten auf einen Blick erkennen, wie nachhaltig ein Rad tatsächlich ist – vergleichbar, nachvollziehbar, überprüfbar.

Neue Anforderungen durch E-Lkw

Der technische Druck steigt weiter. Batterieelektrische Sattelzugmaschinen wiegen drei bis vier Tonnen mehr als vergleichbare Dieselmodelle. Das bedeutet höhere Radlasten, während gleichzeitig Aerodynamik für die Reichweite an Bedeutung gewinnt.

Maxion reagiert darauf mit Stahlrädern der nächsten Generation, die bei gleichem Gewicht bis zu 250 Kilogramm mehr Last aufnehmen können. Die Tragfähigkeit liegt bei bis zu 4.250 Kilogramm pro Rad. Gleichzeitig erlauben geringere Bremskühlanforderungen bei E-Fahrzeugen kleinere Lüftungsöffnungen – und damit strömungsgünstigere Designs. Moderne Simulationstools helfen, jede Kontur gezielt auszulegen.

Das Ziel bleibt dabei nüchtern formuliert: so leicht wie möglich, so stark wie nötig.

Ein Bauteil mit großer Wirkung

Maxion Wheels produziert jährlich über zehn Millionen Nutzfahrzeug-Stahlräder und gehört weltweit zu den größten Radherstellern. Angesichts dieser Stückzahlen wird klar, warum selbst kleine Verbesserungen pro Rad eine große Wirkung entfalten können. Entsprechend engagiert sich das Unternehmen in Initiativen wie ResponsibleSteel und der Aluminum Stewardship Initiative, um branchenweite Standards voranzubringen.

Das Lkw-Rad bleibt ein stilles Bauteil. Aber eines, an dem sich zeigt, wie viel Nachhaltigkeit im Detail steckt – und wie sehr Ingenieurarbeit darüber entscheidet, ob Klimaziele erreichbar sind oder nicht.

22.12.2025

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