Mit dem neuen eSprinter bringt Mercedes Benz seine Transporter Ikone konsequent in die elektrische Zukunft. Der Kastenwagen tritt in unserer Testkonfiguration als Select 320 Standard mit 81 kWh Batterie und 150 kW Leistung an. Das sind 204 PS auf die Hinterachse und ein klarer Fokus auf Stadt und Regionallogistik. Auf dem Papier wirkt das schon rund. Auf der Straße bestätigt sich der Eindruck ohne Umwege.
Fahrfreude
Schon der erste Ampelstart zeigt die Kernstärke des eSprinter. Das volle Drehmoment liegt sofort an. Der Transporter setzt sich leise, sauber und ohne Verzögerung in Bewegung. Gerade im innerstädtischen Lieferverkehr mit ständigem Stop and Go punktet der elektrische Antrieb klar gegenüber dem Diesel. Kein Schalten, kein Turboloch, kein Ruck. Der eSprinter gleitet einfach los. Das entspannt den Fahrer und spart durch besser dosierbare Rekuperation auch Energie. Die Rekuperation lässt sich über Wippen hinter dem Lenkrad in mehrere Stufen regeln. Wer gerne aktiv fährt, wählt eine hohe Verzögerung und erledigt viel Bremsarbeit mit dem Fahrpedal. Wer es ruhiger mag, nutzt den Modus D Auto. Das System passt die Rekuperation automatisch an Verkehr und Topografie an. In der Praxis funktioniert das erstaunlich präzise. Der eSprinter verzögert, wenn ein Fahrzeug voraus bremst, und rollt freier, wenn es bergab geht. So holt man aus der 81 kWh Batterie spürbar mehr Reichweite heraus.
Typisch Sprinter
Außerhalb der Stadt zeigt der eSprinter den bekannten Sprinter Charakter. Auf Landstraßen fährt er souverän. Die 150 kW reichen, um zügig auf erlaubte Geschwindigkeiten zu kommen. Nur bei voller Zuladung werden Beschleunigungsvorgänge abseits des Stadtverkehrs etwas träger. Auf der Autobahn erreicht der Transporter seine elektronisch begrenzten 120 km/h ohne Anstrengung. Im Fahrerhaus spielt Mercedes wieder seine bekannten Stärken aus. Die Kabine wirkt hochwertig verarbeitet, die Ergonomie passt. Die Sitzposition ist entspannt, auch große Fahrer finden schnell ihre Einstellung, und das Geräuschniveau profitiert stark vom E Antrieb.
Das Cockpit ist modern, aber nicht verspielt. Besonders hervorzuheben sind die Ablagen und gleich vier wirklich gut nutzbare Getränkehalter. Hier können sich fast alle Van-Designer ein Beispiel nehmen. Analoge Instrumente sind selten geworden, das MBUX-System mit großem Touchscreen und Sprachsteuerung fügt sich sauber ein. Es unterstützt den E-Alltag mit intelligenter Routen- und Ladeplanung, inklusive Restreichweitenberechnung und Vorschlägen für Ladestopps.
Aufladen
Für den Arbeitseinsatz zählt vor allem die Reichweite. Mit der 81 kWh Batterie liegt unser eSprinter in einem Bereich, der für typische Tagesrouten im Stadt- und Umlandverkehr gut reicht. Auf klassischen Verteilerfahrten sind praxisnahe 230 bis 280 Kilometer möglich. Mit Autobahnanteil etwas weniger. Beim Laden gibt sich der eSprinter solide. An AC-Säulen lädt er mit bis zu 11 kW. An DC-Ladern nimmt er bis zu 115 kW auf. Damit bringt man die Batterie in einer Pause wieder auf einen brauchbaren Stand. Im Vergleich zu Pkw Elektroautos ist das kein Spitzenwert, für einen Transporter aber absolut praxistauglich.
Preisfrage
Natürlich hat der eSprinter auch Schwächen. Die wichtigste ist der Preis. Besonders in gut ausgestatteten Linien wie Select liegt er mit knapp über 80.000.- Euro netto laut Stammdatenblatt doch über dem vergleichbaren Diesel. Seine Stärken spielt der Mercedes eSprinter dort aus, wo feste Routen, definierte Einsatzgebiete und klare Ladeinfrastruktur vorhanden sind. KEP-Dienste in der Stadt, Lebensmittellogistik im Umland, kommunale Aufgaben oder Handwerksbetriebe mit täglicher Rückkehr auf den Hof. Für solche Szenarien ist unser Testfahrzeug mit 81 kWh Akku ein echtes Kernmodell. Gute Reichweite, ausreichende Zuladung, komfortabler Antrieb, typische Sprinter Qualität.
